Initiative bedroht berufliche Perspektiven: JJS plädiert für Nein zur Halbierungsinitiative
Olivia Ruffiner
Die Jungen Journalistinnen und Journalisten Schweiz (JJS) stehen für eine Medienbranche mit Zukunft – für die jungen Menschen, die Medien machen. Und für die, die sie konsumieren. Die Halbierungsinitiative gefährdet die Branche in mehrfacher Hinsicht. JJS lehnt sie entschieden ab.
Am 8. März entscheidet das Schweizer Stimmvolk über die Volksinitiative «200 Franken sind genug», auch bekannt als «SRG-Initiative» oder «Halbierungsinitiative». Ziel der Vorlage ist es, die Abgabe für die mediale Grundversorgung im Sinne des Service Public von heute 335 (bzw. 300 Franken bis 2029) auf 200 Franken pro Jahr zu senken. «Die Halbierungsinitiative bedroht die berufliche Zukunft junger Medienschaffender», sagt Co-Präsidentin Anna Nüesch. Die Jungen Journalistinnen und Journalisten lehnen die Vorlage entschieden ab – aus mehreren Gründen.
Ausbildungsplätze in Gefahr
Die Arbeitsbedingungen junger Journalistinnen und Journalisten sind bereits heute prekär. Grund dafür ist der seit Jahren intensive Spardruck bei privaten und öffentlichen Medienhäusern. Das beeinträchtigt die Zukunftsaussichten junger Medienleute und letztlich ihre Moral. Neben Massenentlassungen erschweren befristete Arbeitsverträge und Praktika ohne Anschlusslösungen existenzsichernde Laufbahnen in der Medienbranche.
«Immer mehr junge Medienschaffende sehen sich mit der Realität konfrontiert, dass ihnen der Berufseinstieg trotz ihrer harten Arbeit, ihrem Engagement, ihren Diplomen und ihrer Hingabe zum Beruf misslingen kann», hält Co-Präsidentin Linda Leuenberger fest. «Eine Annahme der Halbierungsinitiative würde zahllose Berufschancen zerschlagen, auf die junge Journis dringend angewiesen sind.»
Die SRG ist heute mit Praktika, Ausbildungsprogrammen (journalistischer Stage und Lehrstellen) sowie als grosse Arbeitgeberin ein wichtiger Pfeiler für den Einstieg junger Medienschaffender in die Branche und deren berufliche Entwicklung. Ein Ja zur Halbierungsinitiative würde die bestehende negative Tendenz verstärken: Praktika oder Ausbildungsprogramme ohne Aussicht auf eine Festanstellung könnten zur Regel werden, die Betreuung von Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten gerät weiter unter Druck.
Weder neue, vielversprechende Online-Medienprojekte noch private Medienhäuser können wegfallende Ausbildungs- und Stellenangebote bislang kompensieren. Zwar verfügen letztere heute über eigene, interne Talentschmieden. Doch viele vakante Redaktionsstellen werden nicht neu besetzt oder nur intern ausgeschrieben. Resultat: Konkurrenz- und Leistungsdruck unter jungen und talentierten Medienschaffenden wachsen.
Weniger, schlechter betreute und entlohnte Ausbildungsplätze wirken sich gleich in mehrfacher Hinsicht negativ aus: Sie bewegen junge Talente dazu, sich beruflich in anderen, sichereren Wirtschaftszweigen umzusehen. Das schadet nicht nur dem Ansehen des Journalismus als Branche, sondern verschärft auch den sogenannten Brain-Drain, dessen Folgen bereits heute in- und ausserhalb der Redaktionen spürbar sind. Eine Branche im Dauerkrisenmodus kann ihrer Rolle als «Wachhund der Demokratie» bzw. «vierte Gewalt» kaum mehr gerecht werden.
Medienkarriere wird zum Privileg
Halb so viel Geld für die SRG, das hat für sämtliche Lohn- und Honorarbezüger im gebührenfinanzierten Journalismus negative Folgen, für Praktikantinnen, Volontäre und Stagiaires ebenso wie für freie Mitarbeitende. Schon heute muss man sich eine Karriere im Journalismus leisten können. Das ist ein Problem, denn Redaktionen sollten Menschen aus verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen vereinen und ein Abbild der Gesellschaft sein. Eine Branche ohne existenzsichernde Ausbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten schliesst diese Diversität zunehmend aus – eine Karriere in den Medien wird immer mehr zum Privileg.
Als Jugendorganisation hält JJS zudem fest: Einer marode gesparten SRG fällt es schwerer, alle Bevölkerungsschichten zu erreichen, wie es ihr gesetzlicher Auftrag vorsieht. Sparmassnahmen treffen digitale Formate und Kanäle, die von jungen Menschen geschätzt werden, übermässig. Sie könnten laut Recherchen des «Tages-Anzeigers» sogar ganz eingestellt werden. Das schadet nicht nur den Medienschaffenden, die sie produzieren. Junge Zielgruppen verlieren ihre Angebote, Medieninteressierte und zukünftige Journalistinnen und Journalisten verlieren Vorbilder.